von Herz zu Herz

Wohin du gehst

Im Gespräch mit einer lieben Freundin entfuhr mir der Satz

„Etwas hinterherzulaufen heißt nicht, dass du auf etwas zuläufst.“

Ich gebe zu, ich war ein wenig beeindruckt von dem, was da aus mir herauspurzelte.

Die Sehnsucht

Wir sprachen über Sehnsüchte und das darin auch „die Sucht“ vorkommt. Wenn wir Sehnsucht nach etwas haben, scheint es manchmal unmöglich, stillzuhalten. Wir handeln, weil wir die Lücke in uns füllen wollen, diesen Raum, der uns ruft und gleichzeitig schmerzt. Aber handeln wir dann wirklich aus unserem Herzen heraus – oder nur aus der Angst vor der Leere?
Wenn wir etwas hinterherlaufen, verlieren wir oft den Blick für uns selbst. Wir spüren nicht mehr, ob der Weg uns überhaupt guttut und ob er uns wirklich dem näher bringt, was wir eigentlich wünschen. Wir laufen nur. Und manchmal entfernen wir uns dabei immer weiter von uns selbst. Im Grunde ist es ja so, dass wir bereits alles in uns haben, was wir brauchen. Nur ist es so versteckt unter all unseren Prägungen und Erfahrungen. Wir suchen im außen, weil wir vergessen haben, das es in uns ist. Weil wir nicht daran denken, es zuerst in UNS zu kultivieren.

Der Kontakt

Und dann gibt es die Momente, in denen wir Kontakt suchen. Zu jemandem, der uns wichtig ist, den wir vielleicht vermissen. Oder jemanden den wir aus seiner bisherigen Rolle entlassen müssen. Was tun wir, wenn gerade kein Kontakt möglich ist? Oder wenn die neuen Rollen noch nicht gefunden sind und daher noch kein Kontakt möglich ist? Wenn wir an eine geschlossene Tür klopfen? Auch hier ist es leicht, ins Hinterherlaufen zu geraten. Wir versuchen, die Tür zu öffnen, statt darauf zu vertrauen, dass sie sich öffnen wird, wenn die Zeit reif ist.

Manchmal bedeutet Liebe auch, still zu stehen. Den anderen sein zu lassen, wo er gerade ist. Und sich selbst zu erlauben, dort zu sein, wo man ist. Nicht zu drängen, nicht zu zerren, sondern mit Geduld und Vertrauen zu warten. Wie der Baum aus Rilkes Worten, der in den Frühlingsstürmen steht und weiß, dass der Sommer kommen wird.

Mein Satz hat mich erinnert. Daran, innezuhalten. Mein Herz zu fragen, ob ich wirklich auf etwas zulaufe oder nur hinterherlaufe. Denn das eine bedeutet Wachstum, das andere oft eher Erschöpfung.

Nun kommen wieder meine Fragen an dich:
Wohin läufst du? Kannst du stillhalten, wenn es nötig ist? Kannst du deinem Herzen vertrauen, dass es den Weg kennt – auch ohne Hetzen und Jagen? Vielleicht ist es Zeit, die Tür nach innen zu öffnen, statt verzweifelt an einer Tür zu rütteln, die im Außen verschlossen bleibt?

von Herz zu Herz, Belinda

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert