Vom Fühlen und Reflektieren
Fühlen ist wie Reflektieren, nur mit dem Herzen statt mit dem Kopf.
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Unsere Sprache ist schon sehr interessant, wenn wir genau hinhören oder lesen.
Oft sprechen wir davon, über etwas „nachzudenken“ oder Dinge „zu reflektieren“ (das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt zurückwerfen). Das klingt nach einem sinnvollen, bewussten Prozess und ist es auch. Wenn wir nicht achtsam sind, bleibt das Reflektieren jedoch oft ein rein intellektueller Akt, ein theoretisches Denken über die Welt, unsere Erfahrungen und unser Inneres. Und eben wenn wir genau lesen, ist es auch sichtbar. „Nachdenken“ passiert im Kopf.
Was aber muss passieren, wenn wir diese theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen wollen?
Das ist für mich Fühlen: Mit dem Spüren und Fühlen leben wir, was wir uns mit dem Verstand ausgedacht haben.
Reflektieren: Die Theorie des Lebens
Reflektieren ist wie ein innerer Dialog, ein gedankliches Nachvollziehen und Verstehen dessen, was wir erlebt haben oder erleben wollen. Es ist die bewusste Auseinandersetzung mit Fragen wie: „Warum ist das so passiert?“, „Was hätte ich besser machen können?“ oder „Wie gehe ich mit dieser Situation um?“, „Was will mir das Universum damit sagen.?“ Es ist ein Prozess, der helfen kann, Muster zu erkennen, Lösungen zu finden und die nächsten Schritte zu überlegen.
Reflektieren ist die Theorie des Lebens. Es ist ein Nachdenken über Gefühle, Beziehungen und Entscheidungen, ohne sie wirklich zu durchleben und wirklich zu fühlen. Der Verstand analysiert, bewertet und versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen – Gefühle jedoch lassen sich nicht durch Nachdenken erleben oder eben mit dem Verstand verstehen. Sie müssen gefühlt, durchlebt werden.
Fühlen: Die Praxis des Lebens
Fühlen ist für mich gelebte Erkenntnis. Es bedeutet, sich auf das einzulassen, was im Inneren passiert. Reflektieren ist ein sich Beschäftigen mit der Vergangenheit oder der Zukunft. Fühlen ist das, was Hier und Jetzt geschieht. Über Gefühle kann man nicht nachdenken. Man kann sie nur in diesem einen Moment fühlen. Es ist der Unterschied zwischen darüber nachzudenken, wie Liebe sich anfühlt, und wirklich zu lieben.
Fühlen ist nicht abstrakt, sondern unmittelbar. Es geht nicht darum, die richtigen Worte zu finden oder ein Gefühl zu definieren, sondern darum, es zu spüren. Es bedeutet, die Wellen von Freude, Angst, Trauer, Wut oder Hoffnung durch sich hindurchfließen zu lassen und sie als Teil des Lebens zu akzeptieren. Weil Gefühle so unmittelbar sind, lassen sie sich vielleicht auch so schwer in Worte fassen. Vielleicht können wir daran erkennen, ob wir gerade im „Fühlen“ sind oder im „über Gefühle nachdenken“.
Theorie trifft auf Praxis
Wenn wir reflektieren, bereiten wir uns theoretisch darauf vor, wie wir mit der Welt umgehen wollen. Wir haben uns überlegt, nach welchen Werten wir leben wollen, was unsere Bedürfnisse sind, wie wir sie bedienen können und so weiter. Doch das allein reicht ja nicht. Ohne die Bereitschaft, ins Fühlen zu gehen und es zu durchleben, also es in die Praxis umzusetzen, bleiben doch die Gedanken leer. Sie werden nicht durch Erfahrung belebt. Und wer nicht gefühlt hat, hat auch nicht das volle Potential des Lebens gelebt oder?
Ein Beispiel: Du kannst theoretisch darüber nachdenken, wie du einem geliebten Menschen deine Wertschätzung zeigen möchtest. Doch erst, wenn du diese Liebe wirklich fühlst und ausdrückst, wird sie lebendig.
Herz über Kopf
Das Herz ist der Ort, an dem unsere Reflektionen ihre wahre Kraft entfalten. Reflektieren kann ein Ausgangspunkt sein, ein Wegweiser. Doch erst durch das Fühlen – durch das echte Erleben – werden unsere Gedanken Realität.
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Gefühle sind die Brücke zwischen der intellektuellen Welt und dem gelebten Leben.
Ja. So empfinde ich das.
Es braucht mindestens beides. Auf jeden Fall braucht es das Fühlen, das gelebte Gefühl, das die Theorie in Leben verwandelt. Wir dürfen planen, wie wir leben wollen und dann auch wirklich, tatsächlich leben – fühlen, handeln, sein.
Erst wenn wir mit dem Herzen handeln, wird aus Wissen Weisheit und aus Reflektion Wirklichkeit.
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Falls du dich fragst, woran du erkennen kannst ob du wirklich fühlst oder nur intellektuell über deine Gefühle sprichst – das habe ich mich auch schon gefragt und ein paar Ideen gesammelt, wie es dir und mir gelingen kann zu unterscheiden.
Spürst du etwas in deinem Körper?
Echte Gefühle äußern sich körperlich – als Wärme in der Brust, ein Knoten im Bauch, Tränen in den Augen, eine plötzliche Leichtigkeit, Schmetterlinge im Bauch, Weite im Herzen ….
- Du kannst dich fragen: Wo spüre ich dieses Gefühl? Gibt es eine Spannung, ein Kribbeln oder eine Wärme?
Wenn du nichts Körperliches bemerkst, könnte es sein, dass du mehr über das Gefühl nachdenkst, als es wirklich zu erleben.
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Im Moment bleiben: Bist du gedanklich abgelenkt?
Wenn du intellektuell über ein Gefühl sprichst, bist du oft in der Vergangenheit oder Zukunft: „Warum habe ich das so gefühlt?“ oder „Wie werde ich damit umgehen?“ Beim echten Fühlen bist du dagegen ganz im Hier und Jetzt.
- Atme tief ein und aus, schließe die Augen und frage dich: Was fühle ich gerade in diesem Moment? Wenn deine Gedanken abschweifen, kehre sanft zurück und verbinde dich mit deinem Körper, damit du im wahren Sinne fühlst.
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Das Tempo: Wie schnell bewegst du dich durch die Emotion?
Beim intellektuellen Reden neigen wir dazu, Gefühle zu analysieren und zu kategorisieren: „Ich bin wütend, weil…“ oder „Das macht mich traurig, aber ich sollte stark sein.“
Echtes Fühlen hat kein Ziel und keinen Zeitdruck. Es kann länger dauern und fühlt sich weniger kontrolliert an. Du lässt das Gefühl einfach da sein, ohne es zu bewerten oder verändern zu wollen.
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Versuche nicht, es zu erklären oder zu rechtfertigen
Intellektuelles Reden über Gefühle beinhaltet oft Urteile und Erklärungen: „Ich fühle mich so, weil…“ oder „Das sollte ich doch eigentlich gar nicht fühlen.“
Echtes Fühlen braucht keine Rechtfertigung. Es ist ein Zustand der Akzeptanz: „Ich fühle, was ich fühle, und das ist okay.“
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Kannst du es aushalten?
Wenn wir nur über Gefühle reden, suchen wir oft nach Lösungen oder wollen Ablenkung. Echte Gefühle brauchen manchmal nur Stille und Annahme.
- Setz dich an einen ruhigen Ort und bleib einfach mit deinem Gefühl. Lass die Stille zu und schau, was passiert.
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Fühlt es sich echt an?
Ein Hinweis auf echtes Fühlen ist die Tiefe des Gefühls. Es ist, als würde etwas „aufschmelzen“ oder dich tief im Inneren berühren.
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Wie wirst du wahrgenommen?
Manchmal können andere Menschen dich spiegeln, ob du wirklich fühlst oder nur darüber sprichst. Wenn jemand sagt: „Das klingt logisch, aber wie geht es dir wirklich?“, könnte das ein Zeichen sein, dass du dich eher im Kopf befindest als im Herzen.
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Achtsam sein
Ich glaube, um echtes Fühlen zu erkennen, braucht es Achtsamkeit. Es geht darum, im Moment zu bleiben, den Körper wahrzunehmen und das Gefühl zuzulassen, ohne es analysieren oder verändern zu wollen. Es braucht Mut, sich auf diese Tiefe einzulassen, aber genau dort entsteht echte Lebendigkeit.
Wenn du das nächste Mal unsicher bist, kannst du dich fragen: „Bin ich im Kopf oder im Herzen?“ Und sei bereit, dich selbst ehrlich zu spüren.
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von Herz zu Herz, Belinda


