Trauern

5 Perlen für das Leben

Mein Opa lag lange im Krankenhaus. Es ging auf und ab. Mal ging es ihm nach der OP so gut, dass es hieß „Übermorgen kann er nach Hause.“ Dann stürzte sein System wieder ab und er lag auf der Intensivstation.

6 Wochen lang. Ich konnte nicht oft bei ihm sein, weil uns über 500 km trennten. Ein Pflegemensch meinte, ich könne ihm einen Talisman da lassen. Ich legte ihm meine Mala mit ihren 108 Perlen und der Blume des Lebens in seine Hand. Es tat mir gut, ihm etwas von mir dazulassen und hoffte, es täte auch ihm gut.
Einige Zeit später rief meine Mama mich an und sagte mir, dass die Kette gerissen sei und nun in einer Tüte aufbewahrt neben ihm lag.

Nach 6 Wochen auf und ab hatte mein Opa keine Kraft mehr. Mein Onkel und ich begleiteten ihn hinüber. Wir waren stumm. In den 6 Wochen traute sich niemand von uns, über den Tod zu sprechen oder ihn auszusprechen. Wir alle hingen an der Hoffnung, die jeder, der einen geliebten Menschen begleitet, kennt.
Lange konnte ich die Kette nicht reparieren. Vor meinem Palligrafiekurs konnte ich es endlich. Ich zählte die Perlen. Es waren 103. Es fehlten also nur 5 Perlen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Danke liebes Krankenhauspersonal, dass so viele noch da waren. Ich ersetze die fehlenden Perlen durch 5 Perlen, die dazu passten, aber anders aussahen. Sie stehen für mich für

Liebe, Vergeben, Verbundenheit, Leben, Fühlen

Abschied und Trauer sind keine geraden Wege – sie sind ein Gewebe aus Hoffnung, Schmerz, Erinnerungen und Stille. Es ist eine Zeit, in der das Leben und der Tod nebeneinander stehen und uns zeigen, wie tief die Verbundenheit reicht. Die Lücken, die entstehen, wenn jemand geht, können wir nicht füllen – aber wir können sie mit Bedeutung umrahmen. Jede Handlung, jedes Symbol, das wir in dieser Zeit wählen, wird zu einem Teil unserer Geschichte, unseres Erinnerns und Heilens.

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Heute, an Heiligabend, hatte ich Serviettenringe gewählt, schlichte weiße. Auf ihnen stand:
„Liebe ist die beste Zutat.“ und „Liebe geht durch den Magen.“ Genauso war es bei meinen Großeltern. Sie zeigten ihre Liebe durch das Kochen und durch das Gärtnern. Das war ihre Sprache der Liebe. Da war sie wieder. Die Erinnerung, die einen Rahmen um die Bedeutung eines Symboles spannt.

Trauern ist ein Fluss, der uns durch die Zeit trägt, die es braucht, sich mit der Veränderung anzufreunden. Der uns mit der Zeit wieder zu uns trägt. Dass wir wieder zu uns selbst finden – in der Liebe, im Vergeben, in der Verbundenheit mit dem Leben und allem, was wir fühlen.

trau dich zu trauern, deine Belinda

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