Hör zu
Diesen Text habe ich auf meinem Hospizseminar gehört und fand ihn sehr wertvoll.
Wenn wir es schaffen, immer mal wieder so hinzuhören. Mit dem Herzen. Statt nur zu hören um zu antworten, dann können wir vielleicht manchmal wie die kleine Momo von Michael Ende sein.
Wenn ich Dich bitte, mir zuzuhören,
und Du anfängst, mir Ratschläge zu geben,
hast Du nicht getan, worum ich gebeten habe.Wenn ich Dich bitte, mir zuzuhören,
und Du anfängst mir zu erzählen, warum ich mich nicht so fühlen sollte,
trampelst Du auf meinen Gefühlen herum.Wenn ich Dich bitte, mir zuzuhören,
und Du meinst, Du müsstest etwas tun, um mein Problem zu lösen,
liegst Du daneben, so sonderbar das scheinen mag.Pass auf! Alles, was ich wollte, war, dass Du zuhörst,
nicht, dass Du redest oder etwas tust – nur, dass Du mich hörst.Ratschläge sind billig: Für ein paar Groschen sind sie
in jeder Illustrierten und in der Bild-Zeitung zu haben.Ich kann für mich selbst sorgen; ich bin nicht hilflos.
Vielleicht bin ich mutlos und zögerlich, aber nicht hilflos.Wenn Du etwas für mich tust, das ich für mich selbst
tun kann und muss, trägst Du zu meiner Angst und meiner Schwäche bei.Aber – wenn du es einfach hinnimmst, dass ich wirklich fühle, was ich fühle,
egal wie hirnrissig es scheint, dann brauche ich Dich nicht mehr davon überzeugen,
und kann mich dranmachen zu verstehen,
was hinter meinen Gefühlen steckt.Und wenn das klar ist, sind die Antworten klar,
und dann brauche ich keinen Rat.Unsinnige Gefühle bekommen ihren Sinn, wenn wir verstehen,
was hinter ihnen steckt.Vielleicht ist das der Grund, dass Gebete helfen, manchmal, für manche Leute,
weil Gott stumm ist und er keinen Rat gibt oder versucht,
Dinge in Ordnung zu bringen. „ER“ hört einfach zu und läßt dich
deine eigene Antwort finden.Also bitte hör zu und höre nur mich. Und wenn Du was erzählen möchtest,
warte einen Moment, bis Du dran bist; dann will ich Dir zuhören.
ANONYM *
Übertragung: Ulrike Villinger, Lee Sebranek
Von Herz zu Herz, Belinda


