Zitate

Der Mensch und sein Inneres

Als ich den Beitrag „Wohin du gehst“ schrieb, in dem es unter anderem darum geht, dass wir häufiger nach innen schauen dürfen, habe ich mich an diese Geschichte erinnert, die der indischen Mythologie entstammt.

In einer alten Hindu-Legende wird berichtet, dass früher alle Menschen Götter waren. Die Menschen aber missbrauchten dieses Geschenk ihrer Göttlichkeit immer und immer wieder.

Brahma, der Gott der Götter, beschloss daher, den Menschen das Wissen über ihre Göttlichkeit zu nehmen und dieses besondere Geschenk an einem Ort zu verstecken, an dem die Menschen es nicht finden würden. Die Herausforderung war also, ein unauffindbares Versteck zu bestimmen.

Als Brahma die anderen Götter zusammenrief, um dieses große Problem zu lösen, machten sie folgenden Vorschlag:

„Lasst uns das Wissen über die Göttlichkeit des Menschen in der Erde verbergen.“

Brahma antwortete:

„Nein, dies genügt nicht! Der Mensch wird graben und seine göttliche Kraft wiederfinden.“

Da machten einige Mitgötter einen anderen Vorschlag:

„Dann lasst uns das Wissen über die göttliche Kraft in der tiefsten Tiefe des Ozeans versenken.“

Brahma antwortete auf den Vorschlag:

„Früher oder später wird der Mensch auch die Tiefen aller Ozeane entdecken. Dann wird er seine Göttlichkeit wiederfinden und an die Oberfläche holen. Auch dieses Versteck ist nicht sicher.“

Wieder überlegten die Mitgötter, wo denn das Wissen über die Göttlichkeit des Menschen sicher verborgen werden könnte, so dass nur diejenigen es finden konnten, die dessen Kraft nicht missbrauchten. Schließlich schlugen die anderen Götter Brahma vor:

„Lasst uns das Wissen über die Göttlichkeit in die entferntesten Entfernungen des Universums verbannen, von dort kann sich der Mensch das Wissen nicht zurückholen.“

Brahma hörte sich geduldig an, was seine Mitgötter ihm vortrugen. Dann antwortete er:

„Der Tag wird kommen, an dem die Menschen das All erobern und ihre Göttlichkeit wieder an sich nehmen. Auch das Universum ist als Versteck ist nicht geeignet.“

Da wussten die anderen Götter keinen Rat mehr.

„Wo können wir das Wissen über die Göttlichkeit der Menschen denn dann verstecken? Es gibt weder auf der Erde, in den Meeren noch im ganzen Universum einen Platz, an dem der Mensch es nicht finden wird.“

Brahma in seiner unendlichen Weisheit sprach:

„Ich weiß, was wir mit dem Wissen über die Göttlichkeit der Menschen machen. Wir verstecken es im tiefsten Inneren ihres Selbst; das ist der einzige Ort, an dem sie nicht danach suchen werden. Wir verstecken das Wissen über die Göttlichkeit eines jeden einzelnen in seinem eigenen Herz! Es ist ein Geschenk, zu dem nur diejenigen den Zugang finden, die nach Innen gehen!“

Seit dieser Zeit – so schließt die Legende – hat der Mensch die Welt erobert, hat sich aufgemacht, das Universum zu entdecken, ist getaucht, geflogen und hat gegraben… um etwas zu suchen, dass nur in ihm selbst zu finden ist.

Die Fragen für dich: Was bedeutet für mich „die Göttlichkeit in mir selbst“? Wie könnte ich sie erkennen oder erfahren? Suche ich oft im Außen nach Antworten oder Erfüllung, anstatt in mich selbst hineinzuhorchen? Wann habe ich das letzte Mal bewusst Zeit mit mir selbst verbracht, um in mein Inneres zu blicken? Welche Ängste oder Hindernisse könnten mich davon abhalten, nach innen zu schauen? Was könnte sich in meinem Leben verändern, wenn ich mein Inneres als Quelle von Kraft und Weisheit anerkenne?

Von Herz zu Herz, Belinda

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